Bildschirmarbeitsplätze sind ja immer noch ein Problem. Viele klage über brennende Augen, andere über ein Flirren im Blick, über die Rückenschmerzen wollen wir gar nicht reden. Und dann gibt es noch die, die Ansammlungen von Menschen auf dem Monitor sehen. Es gab eine kurze Zeit, da waren Flash Mobs waaaaahnsinnig lustig. Da versammelten sich dann junge Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort um gemeinschaftlich Blödsinn zu veranstalten. Das war beim ersten Mal noch witzig, beim zweiten Mal schon weniger – und irgendwann wars das dann. Im Flash-Mob-Weblog jedenfalls ist die Zahl der Aktionen stark gesunken.
Das ist für jene traurig, für die solche Mob-Treffen die einzige Form der sozialen Interaktion waren. Und nun sitzen sie vor ihren Bildschirmarbeitsplätzen und träumen von vergangenen Tagen. Jener Zeit, da sie selbst vielleicht noch Dutzende von Mitbürgern steuern konnten. Oder sie Teil von etwas Größerem waren.
Langsam steigen ihnen Tränen in die Augen, Tränen der Trauer, der Wut, der Enttäuschung. Ihr Blick verklärt sich, wird schummerig, während sie gerade wieder gelangweilt bei Spiegel Online surfen.
Doch da – was ist das? Ist das nicht… Ein kleines Männchen auf dem Bildschirm? Und… Und sagt es nicht etwas? “Trauer”, sagt es in einer Sprechblase. Und da ist noch eines. Und noch eines! Es ist ein Mob! Ein virtueller Flash Mob! Doch bevor ein Bild vom Bildschirm gespeichert ist, sind sie auch schon weg, die kleinen Männchen.
Bleibt nur, der Welt von diesem wunderbaren Erlebnis per Pressemitteilung zu künden:
“Erster virtueller Flashmob dokumentiert
Am 27. Januar 2006 wurde der erste virtuelle Flashmob auf der Webseite von Spiegel online beobachtet. Die spontane Zusammenkunft dauerte nur wenige Minuten. Die Teilnehmer trafen sich auf dem Artikel, der über den Tod des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau berichtete. Sie äußerten alle das Wort “Trauer” in Ihren Sprechblasen und verschwanden nach einer Schweigeminute wieder.
Es begann auf Google, wo sich häufig viele Web Mobs treffen, denn jeder der viel mit dem Internet arbeitet, kommt mehrmals täglich bei Google vorbei. Am 27. Februar tippte ein Besucher in seine Sprechblase, dass Johannes Rau gestorben sei. Ein anderer fragte: “Echt? Woher weißt Du?”. Dann sendete der Erste die Webadresse des entsprechenden Spiegel-Artikels http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,397603,00.html in seiner Sprechblase. Spontan entschieden sich eine Handvoll Leute auf den URL zu klicken und trafen sich dort wieder. Beim Lesen des Artikels schreib einer “*Trauer*” in seine Sprechblase, wie es in der Chat Sprache üblich ist. Die anderen taten es ihm nach. Dann kehrten die Teilnehmer des ersten dokumentierten virtuellen Flashmob wieder zu ihren ursprünglichen Tätigkeiten zurück und verließen die Webseite. Innerhalb von wenigen Minuten war der Flashmob vorbei.
(Szene nachgestellt)
“Weil alles so schnell ging, habe ich leider vergessen einen Screenshot zu machen”, berichtet Dr. Heiner Wolf, einer der Teilnehmer des virtuellen Flashmobs. “Aber ich war dabei und es war faszinierend.”"
Und das ist wohl auch der Grund, warum er die Redaktionen der Republik mit dieser Mitteilung beglückt. Oder vielleicht doch nicht?
“Beim ersten virtuellen Flashmob wurden die Teilnehmer allein durch ihre virtuelle Präsenz ohne Hinweis auf der Webseite selbst organisiert. Sie waren zufällig an demselben virtuellen Ort, auf einer Webseite, auf der zum Flashmob aufgerufen wurde. Die Teilnehmer entschieden spontan, Anteil am Tod des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau zu nehmen. Sie vollzogen alle dieselbe Handlung. Die Gruppe, die Anwesenheit und Sichtbarkeit der anderen, brachte jeden einzelnen dazu, gemeinsam zu handeln.
Beim ersten virtuellen Flashmob war die Teilnehmerzahl noch recht übersichtlich. Denkt man das Prinzip aber weiter, könnten die neuen Kollektive in Zukunft erstmals globale, weltweite Kundgebungen direkt vor der virtuellen Haustür der Ziele ihrer Proteste organisieren. Flashmobs entwickeln sich auch im Web zum politischen Instrument.
Möglich gemacht wurde der virtuelle Flashmob vom Social Networking Dienst Web Mobs. Mit Web Mobs können die Besucher einer Webseite sich sehen und miteinander kommunizieren, unabhängig von den Tools der Webseite selbst. Die Social Software Web Mobs unterstützt rein zufällige Begegnungen. Es ist nicht notwendig, dass die Personen sich kennen oder Instant Messenger Adressen voneinander besitzen. Web Mobs wurde auf Basis des Jabber Protokolls XMPP entwickelt und unterliegt der Open Source Lizenz GPL.”
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Es ist doch noch gar nicht der 1. April.
Ich versteh nur Flashmob.
Webmops? Das wird der Renner, bestimmt
)
Aah, die Lluna-Jungs! Die kenn ich doch noch aus güldenen Dotcom-Tagen…
Danke für die Anteilnahme. Es war wirklich bewegend. Ein richtiger spontaner Smart Mob mit echten Usern zu einem echten Thema, wenn auch leider aus traurigem Anlass. Zumindest waren die kleinen Männchen auf dem Bildschirm nicht allein und konnten sich gegenseitig trösten.
Ich hab das Programm mal installiert und was soll ich sagen, man sieht kleine Männchen. Nicht sehr viele, aber immerhin. Ich kann mir gut vorstellen, dass es in kürzester Zeit viele Freunde gewinnt. Herr Wolf, Kompliment, jetzt wird die Sache mit dem Web 2.0 auch für mich langsam greifbar.
Eine witzige Idee. Das Programm ist einfach zu installieren und schon sind sie da, die kleinen Männchen!