Jeder Call-Center-Mitarbeiter lernt es: Bei Kritik erstmal Verständnis heucheln und so den Kritiker für sich einnehmen. Das Thema positiv drehen. Den Angreifer runterkommen lassen. Dafür aber müsste man selbst ruhig sein. Und das ist ein Werber mit angepiekstem Ego nun mal nicht.
Eigentlich hatte ich keine Lust mehr über die Kampagne “Du bist Deutschland” zu schreiben. Ich halte sie für langweilig und handwerklich bieder gemacht, letztendlich der 2374. Versuch, die sensationelle “Mein Vater”-Kampagne von Thyssen Krupp zu kopieren. Über die Ansammlung verschwurbelten Pathos bräuchte man eigentlich nicht weiter zu reden, wer andere inspirieren will, muss selbst inspiriert sein.
Tja, und dann machte Michael Trautmann, einer der für die Kampagne verantwortlichen Kreativen, genau das, was einem Call-Center-Mitarbeiter zur Kündigung gereichen würde. Er haut auf die Kritiker einmal richtig drauf.
“Das sieht Mitinitiator Michael Trautmann von Kempertrautmann ähnlich. ?Mit dem negativen Feed-Back bei den Weblogs haben wir gerechnet. Die sind immer destruktiv?, sagt er und verweist auf überaus positiv ausgegangene Umfragen verschiedener Sender.”
Entsprechend haut es zurück, egal ob bei Spreeblick oder Wirres.net, ein Thema, das ansonsten langsam versandet wäre, kocht richtig hoch. “Na gut”, wird mancher einwerfen, “ist halt nur die Weblog-Szene”. Dumm, dass die in den Zeiten moderner Kommunikation nur der Anfang ist.
Gestern, zum Beispiel, hat sich Stefan Raab schon mal der Kampagne angenommen.
Weitere Sendungen (Hallo, “Polylux”!) werden sicher folgen. Und bei Google fördert die Suche (Stand Freitag, 30.9., 15.03 Uhr) nach “Du bist Deutschland” erstaunliches zu Tage:
3. Das hier.
4. Ne, noch immer nicht die offzielle Seite sondern ein Beispiel, wie man sich hochgoogelt.
6. Na endlich – www.du-bist-deutschland.de
Dabei hätte Trautmann es so einfach gehabt. Einfach den Zorn runterschlucken und dann höflich sagen: “Manche der Parodien überschreiten sicher geschmackliche Grenzen. Viele aber sind gelungene, böse Satire. Dass die so schnell und so optisch gut aufgemacht von ganz normalen Leuten erdacht wurde, zeigt doch nur, dass wir mit unserer Kampagne recht haben.” Puff hätte es gemacht – und das Thema wäre tot gewesen.
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dazu müsste man aber
souverän sein.
papst bin ich, deutschland bin ich…was kommt als nächstes?
Schöner kann der doch gar nicht sein Versagen eingestehen. Waren die nicht angetreten, genau das “destruktiv” zu ändern? Die Haltung von dem Burschen ist ziemlich verdreht: Die Leute sind so destruktiv, also machen wir eine tolle Kampagne, damit sich das ändert. Jetzt ändern sich aber die Leute nicht. Der offensichliche Grund? Nein, nicht die Kampagne ist scheiße. Sondern, die Leute sind destruktiv. Und das hatte man ja schon vorher gesagt. Viel heiße Luft – wirkt alles sehr unbeholfen, ja fast schon hilflos.
Ein Journalist mit Mut, seine Meinung zu offenbaren und dabei eines nicht zu vergessen: Ich kann eines “drübergezogen” bekommen, denn die Kommentare sind freigeschalten
“Respket, lieber Herr Gesangsverein – so würde zumindest Stefan Raab reagieren”
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