Talk-Show-Moderatoren kennen kein Lampenfieber. Denkt man. Ist aber nicht so – man muss nur ihren Tick erkennen und diesen brechen.
Vor einiger Zeit hörte ich einer Diskussion auf dem Literaturfest Lit Cologne zu. Es ging um Generationen und auf dem Podium saßen FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, FAZ-am-Sonntag-Ressortleiter Claudius Seidl und Viva-Schnebbelschnute Sarah Kuttner. Moderiert wurde das ganze von Frank Plasberg, dem umjubelten 3.-Programm-Talker.
Es war ein über weite Strecken langweiliger, teilweise sogar ärgerlicher Abend. Das lag nicht an Schirrmacher, Seidel und Kuttner – sondern an Plasberg. Er war schlecht vorbereitet für drei Gäste, die sich wenig zu sagen hatten und über das Thema eigentlich gar nicht so richtig reden wollten. Irgendwann platzte Kuttner richtig der Kragen: "Ich finde es schwer, mich dauernd für meine Jugendlichkeit entschuldigen zu müssen. Dieser Generationskonflikt wird doch von Ihnen hier total geschürt."
Jeder im Saal (ob Plasberg die steigende Unruhe und Unzufriedenheit bemerkt hat?) konnte sie nur zu gut verstehen. Fragen wie: "Finden Sie es schlimm, hier mit drei so alten Männern wie uns am Tisch sitzen zu müssen?", oder nach Einspielung eines Wir-sind-Helden-Songs: "Finden Sie es schlimm, wenn mir das Lied auch gefällt?", hätten auch beim Weltjugendtag den Saal leer geräumt.
Plasberg ist Gäste gewöhnt, die reden wollen. Dazu stehen sie ja neben ihm. Wenn aber jemand nicht reden will – ist er offensichtlich aufgeschmissen.
Und wer wissen will, womit man TV-Talker noch an ihre Grenzen führen kann, dem sei dieser wunderbare Artikel der Kollegen von der "FAZ" empfohlen.
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Danke für den Hinweis auf den interessanten FAZ-Artikel.
Eine Bekannte von mir, bei einem großen Wirtschaftsblatt tätig, schilderte mir vor einigen Jahren den sehr unterschiedlichen Umgang der Politiker mit der Presse exemplarisch anhand zweier Bundesminister. Der eine, immer fair und auskunftsfreudig zu den Journalisten, war bei diesen sehr beliebt. Das rettete ihn nicht davor, wenig später im Mallorca-Skandal ?abgeschossen? zu werden. Der andere war umso weniger beliebt bei den Journalisten, nicht zuletzt, weil er seine Macht permanent durch verschiedenste, ziemlich verletzende Gesten der Überheblichkeit demonstrierte. Das bewahrte ihn nicht davor, jahrelang laut Umfragen beliebtester Politiker der Deutschen zu sein und bis heute ein Ministeramt zu bekleiden.
Fazit: Wer als Politiker Karriere machen will, muss böse zu den Journalisten sein.
Oder?
Das Lieblingszitat unseres Chefredakteurs ist zu diesem Thema: “Wir mochten die letzte Bundesregierung nicht, wie mögen die aktuelle nicht und wir werden auch die nächste nicht mögen.”
Wie laufen denn solche Talkrunden (auch ?Christiansen? und ?Hart aber fair?) im Vorfeld? Spricht da ein Redakteur vorher mit den Gästen und gibt das als Stichworte an den Moderator oder kommen Promis einfach so ins Studio und legen los? Bei Politikern weiß man ja was die sagen könnten, denn die sind ja recht präsent.